Ich habe eine Vision, an der ich täglich arbeite

Eine Erfolgsgeschichte aus dem Einjährigen Berufskolleg an GDS2: Manuel Stöffler

Erfolgreiche Menschen haben oft sehr interessante und individuelle Schulbiographien. Manuel Stöffler ist dafür ein Beispiel par excellence. Viele kennen ihn als Geschäftsführer und Gründer von Grillido. Die Würste sind besonders: wenig Fett, viel Geschmack, gutes Fleisch und keine Zusatzstoffe. Inzwischen ist er  auf Vox durch die „Höhle des Löwen“ gegangen und erhielt 2017 den begehrten Deutschen Gründerpreis in der Kategorie StartUp.


Was aber die wenigsten wissen, ist, dass er seine Karriere von der Kuppinger Hauptschule und der GDS2 aus startete. Hier ein Interview mit ihm:

Hallo Manuel, schildern Sie uns doch Ihre schulisch-berufliche Laufbahn

Ich war auf der Hauptschule der Klassenschlechteste mit einem Schnitt von 3,7. Meine Prio war damals, maximal viel Zeit mit meinen Kumpels auf dem Bolzplatz zu verbringen. Meine Lehrerin sagte: „Aus Dir wird nie etwas“ und der Rektor hat sich geschämt, mir das Zeugnis zu geben. Danach habe ich eine Ausbildung zum Fertigungsmechaniker begonnen, auch das war zuerst noch eine wilde Zeit. Mein Meister wollte mir kündigen, weil ich mit meinem Moped die Sicherheitsschuhe abgefahren habe. 

Wann hat es bei Ihnen Klick gemacht und wann haben Sie gemerkt, dass da noch was geht?

Im zweiten Jahr meiner Ausbildung kam ich zur Hospitation ans Band – Spätschicht, im Sommer bei 40 Grad in der Halle, Arbeit am Frontmodul kniend und kopfüber. Ich konnte mir nicht vorstellen, diese Tätigkeit ein Leben lang zu machen. Das war der Wendepunkt, die Entscheidung, etwas zu ändern ist gefallen. Im letzten Jahr meiner Ausbildung habe ich mich dann zum ersten Mal in meinem Leben auf den „Hosenboden gesetzt“. Ich habe mich dann an der GDS2 beworben, um die Fachhochschulreife nachzuholen. Erst stand ich nur auf der Warteliste, dann habe ich die Zusage erhalten. Freunde und Bekannte haben sich stark gewundert, dass ich freiwillig die Schulbank drücke. Die allerwenigsten haben an mich geglaubt, aber gerade das hat mich noch stärker motiviert. Als ich später dann verkündete, ein Studium zum Wirtschaftsingenieur beginnen zu wollen, haben viele gesagt: „Jetzt spinnst Du komplett.“

Welche Erfahrungen haben Sie im Einjährigen Berufskolleg zur Erlangung der Fachhochschulreife an der GDS2 gemacht?

In der Zeit lernte ich, mich zu disziplinieren.  Ich war mir bewusst, was dies in Bezug auf Freizeit, Freunde und Ferien bedeutet. An der GDS2 hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass ich weiß, wofür ich lerne. Die starke Orientierung an der Praxis hat mir das Lernen vereinfacht. Das Einjährige Berufskolleg ist eine tolle Schulart, jeder hat die Chance auf einen akademischen Abschluss.

Wie ging es dann nach dem Besuch der GDS2 weiter?

Zum Glück war mein Studium in Albstadt: keine Ablenkung und 100% Konzentration auf das Studium. Ich hatte es nicht leicht, viele meiner Kommilitonen hatten das Abitur. Für mich war das alles neu und habe doppelt und dreifach so lange gebraucht, bis ich Aufgaben verstanden habe. Ein Auslandssemester in Wales und ein Praktikum bei Daimler in den USA waren die bestmöglichen Grundlagen für meine Karriere. Mit hohem zeitlichen Einsatz, Ehrgeiz und Disziplin habe ich mein Studium mit 2,1 abgeschlossen.

Nach dem Studium begannen Sie wieder, bei der Daimler AG zu arbeiten. 

Der erste Job – das Gelernte in die Praxis umsetzen.

Ich war schon immer Hands-On und konnte anpacken. In spannenden Projekten konnte ich dies beweisen. Im Auftrag des Anlaufmanagments der neuen C-Klasse war ich viel in Bremen, China, Süd-Afrika und den USA unterwegs. Mein Projektleiter erkrankte und ich wurde schnell in die Verantwortung genommen. In Summe hatte ich eine schöne, spannende, lehrreiche Zeit bei der Daimler AG. Ich habe gelernt, wie man Prozesse und Strukturen gestaltet und diese auch lebt. Ein unglaublich wichtiges Thema beim Aufbau eines Unternehmens. 

Wie kam es dann zur Gründung Ihres StartUps?

Die Wurst-Revolution  war erst ein schönes Hobby. Wir haben erste Tests auf Märkten durchgeführt. Das waren 100 Wochen Dauer-Nachtschicht. Drei Stunden Schlaf mussten reichen. Kein Urlaub, keine Freizeit. Ein Jahr habe ich durchgehalten, das war die härteste Zeit in meinem Leben. Dann wurden wir in die „Höhle des Löwen“ eingeladen und waren über Nacht berühmt. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, aufs Ganze zu gehen und bei Daimler die Kündigung einzureichen. Dann die Auszeichnung mit dem Deutschen Gründerpreis, ein unglaublicher Moment, der sich nicht in Worte fassen lässt. Inzwischen haben wir 20 Festangestellte und kämpfen täglich für die Wurstrevolution. Wir wollen dem Lebensmittel wieder mehr Wert geben.

Was können Sie an junge Menschen weitergeben?

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Es läuft nicht alles glatt im Leben, aber es gibt für alles eine Lösung.

Sie haben sehr jung Erfolg gehabt, wie stellen Sie sich Ihre berufliche Zukunft vor?

Ich habe eine klare Vision, an der ich täglich arbeite: Freiheit. Mein großes Ziel ist es, selbst entscheiden zu können, was ich wann wie machen kann und nicht muss….Neue Ideen verwirklichen, an  spannenden Projekte arbeiten, dazu Zeit für mich, Familie und Freunde.

Das Interview führte Marianne Maier-Anderer (Manuel Stöfflers Klassenlehrerin an der GDS2)

 
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